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Elisabeth Ochsenfeld - DRAWINGS



Elisabeth Ochsenfeld - INK DRAWINGS - CLOSE-UP
INK DRAWINGS - CLOSE-UP       40cm/40cm each

GRAMMAR OF CONJUNCTION


The lovers are among us. The drawing, the embrace is pure eloquence – the dynamic line rendering an enchanting, poetic and warm dimension to the enamoured bodies.
The couple celebrating a feast of the senses. The contours of the bodies drift in the movement, celebrating their conjunction, living the inverted voyeurism of self - observation of the embodied romance.

The intertwined surface have a tale to tell. Reflexes and reflections take to the wing in the tense, corporeal echo - chamber of dreams. The unleashed bodies step into a new realm, where the skin hears the clearest. A strong bond, the ultimate bond. For lo, it is a feast of heated desire, unfolding and imbibed to the full. The evergreen tendrils trammel the sense of being, bonding the I and You in the dance of pure passion, igniting a fire that glows in our brains and by whose dancing flickers we embrace the whole world inside our partner.

In this sacral light and devotion, in this tarantella of togetherness, pleasure - albeit en passant- overcomes the crucified existence.

A tapestry of stimulation, a geomancy of passion, annihilation of sadness – art as a soap opera of shallow emotion? By no means, for it is minuet happiness, a mellowing stillness of pleasure, surfeited bodies submerging into each other knowingly and seriously, spiralling into the depths, down deep into the bliss of discovery, into the complex architecture of togetherness and solitude.

How the two lovers touch and caress with their eyes, yet remaining a couple in the full knowledge of ephemerality. Sacral and erotic is their yearning for life, for love, for the line. The author has composed a rondo for two bodies and an imaginary saxophone. Verily a virtuosa, , she plays the main theme through the final bar – in every drawing bursts forth the magic, maturing in the movement, enduring in the phenomenon, raging against the sombre shadow of the line, yet helpless to follow it hypnotized into the bright beauty of the moment, willing to sacrifice itself, if only the fleeting moment would but tarry.

But what is to come, what awaits the couple in the finale, that does not matter, not yet. Not now, in the ceremonial act of embracement. Nothing shall threaten their souls here. Immortal and as if summoned by God, woman and man blend into their personal truth, perfect in fulminant wooing and courtship, are open and purified for a miraculous enchantment.

If we pause for a moment enraptured in the narrative fecundity of these profound and intense drawings, then we too can read the lines, decipher love and comprehend the lovers in their total togetherness and ardour can no longer tell whether they have this unique life or whether they are that life.

HORST SAMSON`S THOUGHTS ON THE CYCLE ENTITLED " CLOSE – UP "



GRAMMATIK DER ZWEISAMKEIT


Die Liebenden sind unter uns. Das Aquarell, die Zeichnung, die Umarmung ist grandios. Die dynamische Linie, die reizend, poetisch und warm die erotisierten Körper vermisst. Das Paar feiert ein Fest der Sinne. Die Konturen der Körper schwimmen in der Bewegung, zelebrieren die Zweisamkeit, leben die ins Innere gekehrte voyeuristische Selbstbeobachtung der unter der Haut inszenierten Schau-Spiele.

Die sich ineinander schiebenden Flächen erzählen Geschichten. Reflexe und Reflektionen werden hörbar im gespannten, fleischlichen Resonanzraum der Träume... Es öffnet sich den entfesselten Körpern eine andere Welt, in der sie mit der Haut am genauesten hören. Das fesselt, fesselt ungemein stark. Denn siehe, es ist ein Fest der Lust, die sich hier auslebt und gelassen feiert. In ihrer Verästelung rankt sie sich immergrün um die Sinnhaftigkeit des Seins, vernetzt das Ich und das Du im Tanz der Triebe, entzündet Feuer, das in unseren Hirnzellen glüht und in dessen Flackerlicht wir am innigsten im Anderen die ganze Welt umarmen.

In dieser sakralen Helle und Hingabe, in diesem Taumel der Zweisamkeit obsiegt die Lust - zumindest en passant - über die gekreuzigte Existenz.

Gewebe der Erregung, Geometrisierung der Leidenschaft, Liquidierung der Traurigkeit – die Kunst als Serie über den oberflächlichen Karneval der Emotionen? Keineswegs, denn es ist leises Glück, ist reife Stille des Genießens, es sind erfüllte Körper, die sich bewusst und ernsthaft ineinander versenken, sich in die Tiefe drehen, hinein ins Glück der Entdeckung, in die komplizierten Architekturen der Zweisamkeit und des Einsamseins.

Wie berühren die beiden Liebenden mit den Augen und spüren, exemplarisch ist dieses Paar auch im Wissen um seine Vergänglichkeit. Sakral und erotisch ist seine Zuneigung zum Leben, zur Liebe, zur Linie. Komponiert hat die Autorin ein Rondo für zwei Körper und ein imaginiertes Saxophon. Virtuos spielt sie das Hauptthema bis zum Schluss-Satz durch - in jeder Zeichnung lodert der Zauber auf, reift in der Bewegung, dauert im Phänomen, wehrt sich gegen den dunklen Schatten der Linie, folgt ihr dennoch hypnotisch in die lichte Schönheit des Augenblicks, für dessen Verweilen es sich morden ließe, wenn er denn hielte.

Was aber noch kommt, was auf das Paar zukommen wird am Ende, zählt nicht, noch nicht. Nicht jetzt, im Akt der festlichen Berührung. Nichts kann da die Seelen gefährden. Unsterblich und wie von Gott gerufen verschmelzen Frau und Mann in ihrer persönlichen Wahrheit, vollkommen im fulminanten Werben und Umworbenseins, sind offen und gereift für eine wundersame Verblendung.

Wenn wir davor einen Augenblick lang ausharren im Glück, in der narrativen Fülle dieser nachhaltigen Zeichnungen, dann können wir die Striche lesen, Liebe entziffern und verstehen, dass Verliebte in ihrer totalen Verschmelzung und Verführung nicht auseinanderhalten können, ob sie dieses einzigartige Leben nur haben oder ob sie es sind.

Horst Samson
(Mai 2002)